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Bundespolizei holt sich Hilfe von Amnesty International: Wenn das Gesetz die Flüchtlingsarbeit unmenschlich macht

Von Andreas Josef

Wie kann man Flüchtlinge nach ihrer oft traumatisierenden Flucht besser helfen? Diese Frage beschäftigt momentan die Aachener Bundespolizei. Die Antwort ist eine Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen, wie Amnesty International. Auslöser für das Umdenken war ein Fall in Eschweiler.

13 Flüchtlinge hatte die Bundespolizei dort aus einem Kühlcontainer gerettet. Offenbar in letzter Minute, denn die Menschen wären damals fast erstickt. Traumatisiert von der Flucht und unterkühlt wurden die Menschen damals erstversorgt und dann mit einem Bahnticket, ohne Begleitung, in den Zug nach Dortmund in das zentrale Auffanglager geschickt. Ein Teil der Flüchtlinge kam niemals dort an.

Daraufhin hagelte es Kritik. Die Bundespolizei verteidigte sich: "Wir dürfen die Menschen nicht nach Dortmund fahren, weil das einer Gefangennahme gleichkäme." Nun- sagt die Polizei - habe man aus dem Problem gelernt.

Aus diesem Fall habe man gelernt, sagt Knut Paul von der Bundespolizei in Aachen. Deshalb habe man sich Hilfe von mehreren Hilfsorganisationen geholt, die vieles dürfen, was die Bundespolizei nicht darf. Fragen an Knut Paul und Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International.

WDR: Was können Hilfsorganisationen leisten, was die Bundespolizei nicht leisten kann?

Knut Paul: Wenn es zum Beispiel um Flüchtlinge geht, die stark traumatisiert oder die durch Folter verletzt worden sind, braucht man schon Unterstützung. So können wir den richtigen und vor allem unkomplizierten Weg finden, um sie zu versorgen. Auf diese Weise ist es möglich, dass auch entgegen der gesetzlichen Regeln eine Betreuung vor Ort stattfinden kann, ohne sie dafür extra nach Dortmund (Anm.d.R.: Auffanglager für Flüchtlinge) schicken zu müssen. Unsere Zusammenarbeit könnte auch Beispiel für andere Städte und Kommunen werden, denn Hilfsorganisation gibt es überall. Polizei und Organisiation müssen einfach nur lernen, miteinander zu sprechen.

Ingeborg Heck-Böckler: Und wir arbeiten als Ehrenamtler vor allem nicht nach Dienstzeit, sind also auch nach Feierabend und am Wochenende erreichbar. Und wir sind mit anderen Flüchtlingen vernetzt. Im Fall der Flüchtlinge, die vor zwei Wochen aus einem LKW befreit wurden, konnten wir innerhalb von einer Stunde eine Dolmetscherin zur Verfügung stellen. Wir haben extra eine Irakerin mitgenommen, die Kopftuch trägt. Für viele der Flüchtlinge war das ein vertrautes Bild und sie sprach ihre Sprache. Sie müssen sich vorstellen, die Flüchtlinge kommen in Todesangst aus diesem Kühlcontainer raus, sehen Menschen in Uniform und bekommen den nächsten Todesschreck. Denn sie kommen meist aus Ländern, wo Uniformen Verfolgung, Korruption und verschwundene Menschen bedeuten. Und so kann kein Vertrauen aufgebaut werden. Ein vertrautes Bild schafft aber sofort Vertrauen und da sind wir im Vorteil.

WDR: Wie hat sich durch die neue Kooperation die Zusammenarbeit zwischen den Hilfsorganisationen und der Bundespolizei verändert?

Ingeborg Heck-Böckler: Die hat sich um 180 Grad gedreht. Es ist nicht mehr so: Das ist unsere Arbeit und wir machen Dienst nach Vorschrift und dann müssen die Menschen eben nach Dortmund geschickt werden. In besonderen Fällen nimmt die Bundespolizei mit mir Kontakt auf und wir tauschen uns dann aus. So können wir zusammen gute Lösungen finden.

WDR: Vielen Dank für dieses Gespräch.