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GrenzEcho vom 04.06.2015, 88. Jahrgang, Nr. 127, S. 23

Ausstellung: Informationen über Flüchtlingsschicksale auf Lampedusa und in Transitländern

„Nie wieder Schiffsbrüchige“

„Nie wieder Schiffsbrüchige“, heißt es auf einem Plakat, das Einwohner der italienischen Insel Lampedusa präsentieren. Die Inselbewohner wollen keine Toten und Halbtoten mehr aus dem Meer fischen, sie wollen, dass die Flüchtlinge aus den Kriegsländern Syrien, Eritrea oder Irak die Möglichkeit bekommen, sicher und menschenwürdig nach Europa einreisen können.

Eine Woche war die Eupener Amnesty-Aktivistin Ingeborg Heck-Böckler auf dem EU-Vorposten im Mittelmeer, in Marokko und auf Sizilien unterwegs, um sich über die Situation der Flüchtlinge und die Hilfsmaßnahmen zu informieren. Entstanden ist die Ausstellung „Europa – Was machst Du an Deinen Grenzen?!“.

18 Plakate, teilweise mit Fotos von Ingeborg Heck-Böckler, informieren über das Schicksal der Flüchtlinge auf Lampedusa und in Transitländern wie beispielsweise Marokko. Dort hat noch Glück, wer sich über steile Treppen in ein überteuertes und überfülltes Zimmer retten kann, um dort als Illegaler zu vegetieren.

In Italien müssen die Flüchtlinge oft in erbärmlichen Unterkünften hausen.

Es kommt durchaus vor, dass Illegale nachts und ohne Schuhe in der Wüste ausgesetzt werden. Aber auch in Marokko gibt es Berater oft afrikanischer Herkunft, die den Flüchtlingen zu helfen suchen. Auch in Italien müssen die Flüchtlinge oft in erbärmlichen Unterkünften hausen. Aber Ingeborg Heck-Böckler geht es keinesfalls nur um Not und Elend, es geht um die Menschen, um die Flüchtlinge, die z. B. in Marokko sehr achtsam mit ihrer Nahrung umgehen. Und es geht um die Soldaten der italienischen Marine, die im Rahmen der Operation „Mare Nostrum“ beim Retten der Flüchtlinge oft ihr eigenes Leben riskierten, und um die Aktivisten aus dem zivilen und kirchlichen Umfeld, die trotz widriger Umstände etwas für die Flüchtlinge leisten.

Stefan Keßler vom Flüchtlingswerk der Jesuiten, der sich selbst als „Lobbyist für Flüchtlinge“ vorstellte, kritisierte in seiner Festrede besonders das Ende von „Mare Nostrum“. Denn das war eine Aktion, um Flüchtlinge zu retten, während die neue Aktion „Triton“ in erster Linie eine Grenzsicherungsmaßnahme sei. Nach Flüchtlingen werde nicht mehr systematisch gesucht. „Das Retten der Flüchtlinge ist sozusagen der Beifang“, kommentierte er polemisch.

Jürgen Jansen vom Eine-Welt-Forum setzte die Ausstellung in Beziehung zum Motto des diesjährigen Weltfestes „Das gute Leben“, das die Flüchtlinge eben nicht leben. Gutes Leben beziehe sich nicht auf das Individuum, sondern auf die Gemeinschaft. Besonders würdigte er, dass in der Ausstellung nicht schwarz-weiß gemalt wird, dass es kein klares „Gut“ und „Böse“ gibt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Juni im Forum der Volkshochschule, Peterstraße 21-25, zu sehen und kann danach ausgeliehen werden.

Ausstellung: Informationen über Flüchtlingsschicksale auf Lampedusa und in Transitländern

„Nie wieder Schiffsbrüchige“