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Gefährliche Reise nach Europa einziger Ausweg

Von: Martina Stöhr

Letzte Aktualisierung: 31. Mai 2015, 15:44 Uhr

Aachen. „Die Menschen fühlen sich bei der Unterstützung der Flüchtlinge von Europa allein gelassen.“ Zu diesem Schluss kommt Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty International, nachdem sie Länder wie Marokko, Sizilien und Italien besucht hat.

In einer Ausstellung in der Volkshochschule Aachen (VHS) mit größtenteils eigenen Fotos und eigenen Texten lässt sie die Betrachter teilhaben an ihren Erfahrungen an den Außengrenzen Europas. Sie sagt, diese Arbeit sei eine konsequente Fortsetzung der Save-me-Kampagne, die sich unter anderem dafür einsetzt, Flüchtlinge aufzunehmen, ohne dass die den gefährlichen Weg nach Europa auf eigene Faust wagen müssen.

Schrecken, aber auch Hoffnung

Texte und Fotos der Ausstellung führen die Misere der Flüchtlinge eindrucksvoll vor Augen. Und so geht die Beschreibung eines Kommandanten der Küstenwache, der vor Lampedusa Dutzende von Leichen im Wasser schwimmen sah, ebenso unter die Haut wie die Darstellung der hoffnungslosen Situation der Flüchtlinge, die in Marokko festsitzen. Ingeborg Heck-Böckler will jedes Jahr ein bis zwei weitere Länder besuchen, um die Situation der Flüchtlinge dort zu dokumentieren.

Jürgen Jansen vom Eine-Welt-Forum Aachen lobte die Ausstellung bei der offiziellen Eröffnung im Forum der VHS als überaus realistisch. Sie erzeuge zum einen Schrecken und Hoffnungslosigkeit, zum anderen aber eben auch den Mut, etwas dagegen zu tun. Sie mache also auch Hoffnung. Jansen zeigte sich überzeugt, dass die Flüchtlingsdramen noch schlimmer werden. Schon jetzt sind Schätzungen zufolge seit dem Jahr 2000 etwa 23.000 Menschen auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen. Jansen forderte die Gemeinschaft dazu auf, aktiv zu werden.

Krieg, Gewalt und schwerste Menschenrechtsverletzungen – das sind laut Stefan Keßler vom Jesuitenflüchtlingsdienst Brüssel die Hauptgründe für die Flucht aus Ländern wie Syrien, Eritrea, Somalia und Afghanistan. „Die Menschen haben keine Wahl“, sagte er. „Ihr einziger Ausweg ist Europa.“ Er machte schließlich deutlich, wie wichtig die italienische Seenothilfe „Mare Nostrum“ gewesen ist. „Innenminister Thomas de Maizière irrt sich, wenn er glaubt, sie sei ein Anreiz zur Flucht gewesen“, sagte er und forderte eine Ausweitung der aktuellen Seenotrettung. Auch die Quotenregelung zur Verteilung von Flüchtlingen aus einem Land auf unterschiedliche europäische Länder hielt er für wenig sinnvoll. Wichtig sei, die Bedürfnisse der Ankömmlinge zu berücksichtigen. Denn die seien angewiesen auf die Unterstützung von Freunden und Familienangehörigen. Was solle nun aber beispielsweise ein Mann aus Eritrea ganz allein in Lettland?

Damit die Zuhörer auch dauerhaft beeindruckt bleiben, gab es zum Abschluss ein Körbchen mit vielen Steinen darin. Jeder Besucher durfte sich eins nehmen, um so dauerhaft an das Schicksal der Flüchtlinge erinnert zu werden. Juan Pablo Raimundo sorgte mit seiner Gitarrenmusik für das entsprechende Ambiente bei der Vernissage. „Es ist schon eine Leistung, Trauer so in Musik zu fassen“, kommentierte Keßler nach Liedern, die unter anderem das Schicksal von Migranten thematisierten.

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